Eine Abdeckung ist verschwunden, eine Lasche abgebrochen, ein Knopf nicht mehr als Ersatzteil erhältlich. Der Gegenstand wäre noch brauchbar, doch dieses kleine Teil fehlt.

Manche Kunststoffteile lassen sich im 3D-Druck nachfertigen, auch ohne die ursprüngliche Datei. Ob diese Lösung geeignet ist, hängt von der Funktion des Teils, den benötigten Maßen und den Einsatzbedingungen ab. Das Modell zu rekonstruieren und das Teil zu fertigen sind zwei unterschiedliche Aufgaben.

Hier erfahren Sie, welche Angaben Sie für eine aussagekräftige Anfrage zusammenstellen und welche Punkte Sie anschließend mit dem Hersteller klären sollten.

Grafik einer gebrochenen Möbelabdeckung, ihrer Bruchstücke und der Öffnung, in die sie eingesetzt werden soll.
Das Teil und sein Einbauort liefern ergänzende Informationen, um eine Nachfertigung zu prüfen. Prinzipdarstellung, nicht maßstäblich.
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Die Grafiken zeigen beispielhaft eine dekorative Abdeckung. Sie dienen der Erklärung und stellen kein Kundenprojekt dar.

1. Vor der Nachfertigung die Funktion des Teils prüfen

Beschreiben Sie zunächst, was das Teil tut: eine Öffnung abdecken, ein anderes Element halten, gleiten oder dekorieren. Geben Sie nach Möglichkeit auch an, wie es gebrochen ist. Ein Bruch bei der Montage erfordert andere Prüfungen als eine Verformung nach Wärmeeinwirkung.

Das Aussehen allein reicht nicht aus. Eine Abdeckung kann feine Clips haben; ein Knopf kann auf eine Achse mit einer genau einzuhaltenden Form aufgesteckt werden. Auch ein unscheinbares Teil kann eine wichtige Schutzfunktion erfüllen.

Kann das Versagen des Teils einen Sturz, eine Verletzung oder einen elektrischen Defekt verursachen, ist für die Nachfertigung eine gesonderte Validierung erforderlich. Die folgenden praktischen Hinweise helfen bei der Vorbereitung einer Anfrage für ein unkritisches Teil. Sie sind kein Verfahren zum Nachweis der Sicherheit.

2. Vier hilfreiche Ansichten fotografieren, auch ohne 3D-Datei

Bewahren Sie vorhandene Bruchstücke auf. Falls Sie ein identisches, unbeschädigtes Teil besitzen, nehmen Sie es als Vorlage hinzu. Fehlt das Teil vollständig, fotografieren Sie seinen Einbauort und nennen Sie die genaue Bezeichnung des Gegenstands.

Ist das Teil zugänglich, erstellen Sie diese vier Ansichten auf einem einfarbigen Hintergrund und bei einer Beleuchtung, die Details gut erkennen lässt:

  1. Die Vorderseite: Richten Sie die Kamera gerade auf die Hauptfläche, damit die Konturen erkennbar sind.
  2. Rückseite und Befestigungen: Zeigen Sie Clips, Löcher, Aufnahmen und Bruchstücke, ohne die Bruchstelle zu verdecken.
  3. Die Seitenansicht: Fotografieren Sie das Teil von der Seite, damit Dicke und überstehende Bereiche sichtbar werden.
  4. Der Einbauort im Gegenstand: Zeigen Sie, wo das Teil sitzt und was es umgibt, ohne dafür gefährliche Demontagearbeiten durchzuführen.
Vier Fotoansichten: Vorderseite, Rückseite und Befestigungen, Seitenansicht und Einbauort im Gegenstand.
Diese vier Ansichten bilden die Grundlage für das erste Gespräch. Sie ersetzen keine Messungen an den Verbindungsstellen.
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Ein Lineal in derselben Ebene wie die betrachtete Fläche gibt einen Anhaltspunkt für die Größe. Es ersetzt jedoch keine Messungen an den Verbindungsstellen. Vermeiden Sie schräg aufgenommene Fotos. Ist ein Detail unscharf, ergänzen Sie eine Nahaufnahme.

Ein Foto ermöglicht eine erste Einschätzung, zeigt aber nicht unbedingt genaue Abmessungen oder verdeckte Formen. Kennzeichnen Sie fehlende Angaben.

Wenn das Modell erst erstellt werden muss, erklärt unser Ratgeber den Weg von Ihren Vorlagen zum ersten 3D-Prototyp. Dabei trennen Sie bereits bekannte Angaben von Punkten, die noch festzulegen sind.

3. Die Maße des Teils und seiner Aufnahme erfassen

Wer nur die Außenmaße aufnimmt, übersieht möglicherweise die für die Montage entscheidenden Stellen. Bei der abgebildeten Abdeckung sind drei Maße besonders hilfreich:

  • A – Breite der Öffnung: Messen Sie den Bereich, den die Abdeckung überdecken oder in den sie hineinpassen soll. Geben Sie an, welcher Fall zutrifft.
  • B – Verfügbare Tiefe: Ermitteln Sie, wie viel Platz hinter der Möbelfront für überstehende Teile vorhanden ist.
  • C – Position der Befestigungen: Wählen Sie eine Bezugskante und messen Sie die Lage jeder Befestigung von derselben Kante aus. Bei Löchern geben Sie die Positionen der Mittelpunkte an.
A kennzeichnet die Öffnungsbreite, B die verfügbare Tiefe und C die Befestigungspositionen ab derselben Bezugskante; ohne vorgegebene Werte.
Beispiele für Maße an der Aufnahme. Messen Sie die Befestigungen immer vom selben Bezugspunkt aus und ergänzen Sie weitere relevante Messrichtungen.
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Ergänzen Sie Höhe, Dicke oder Durchmesser der Aufnahmen, sofern diese Maße für Ihr Teil wichtig sind. Notieren Sie die Werte in Millimetern, das verwendete Messgerät und gegebenenfalls den Hinweis „geschätzt“. Eine verformte oder gebrochene Stelle liefert nicht automatisch ein verlässliches Maß.

Beschreiben Sie außerdem das gewünschte Ergebnis: Montage von Hand, gelegentliche Demontage, fester Sitz ohne Bewegung oder gleitende Bewegung. Das Spiel, also der vorgesehene Abstand zwischen Flächen, hängt vom Einsatz und vom Fertigungsverfahren ab. Es gibt keinen einheitlichen Wert, der zu allen Maßen hinzugefügt werden kann.

4. Das Material nach dem vorgesehenen Einsatz auswählen

Die Farbe des ursprünglichen Kunststoffs lässt weder auf das Material noch auf seine Eigenschaften schließen. Beschreiben Sie die Umgebung: Innen- oder Außeneinsatz, Sonne, Wärme, Feuchtigkeit und Reinigungsmittel. Ergänzen Sie die erwarteten Belastungen wie gelegentliche Stöße, eine dauerhaft wirkende Last oder wiederholtes Biegen.

Wenn Sie eine Temperatur oder Last kennen, nennen Sie den Wert und geben Sie an, ob er gemessen oder geschätzt wurde. Eine Beschreibung des Einsatzes ist hilfreicher als ein erfundener Zahlenwert.

Auch das Verfahren spielt eine Rolle. Beim 3D-Druck mit Filament kann die Ausrichtung der Schichten die Festigkeit abhängig von der Kraftrichtung beeinflussen. Eine identische Form garantiert deshalb nicht dasselbe Verhalten wie beim Originalteil. Eine Anpassung kann erforderlich sein. Wird beispielsweise die Wandstärke erhöht, müssen der verfügbare Platz und die für die Montage notwendige Nachgiebigkeit geprüft werden.

Nutzen Sie zur Vorbereitung dieser Angaben die Übersicht zur Materialwahl für ein 3D-Druckteil nach seinem Einsatz. Sie unterscheidet zwischen Wärme, mechanischen Belastungen, Umgebung und den vorzusehenden Kontrollen.

5. Angebot und Kontrollen bei Erhalt klären

Das Gewicht des Kunststoffs reicht nicht aus, um den Aufwand einzuschätzen. Im Angebot sollte stehen, welche Leistungen vorgesehen sind: Maßaufnahme, Erstellung oder Korrektur der Datei, Fertigung, Nachbearbeitung und gegebenenfalls Passproben. Vergleichen Sie diese Lösung auch mit einem noch erhältlichen Standardersatzteil.

Vereinbaren Sie vor der Fertigung die wichtigen Maße, das gewünschte Aussehen und die erforderlichen Prüfungen. Ist die Montage noch unklar, kann ein erstes Exemplar dazu dienen, sie vor dem nächsten Schritt zu überprüfen.

Bei Erhalt eines unkritischen Teils und unter Beachtung der vereinbarten Hinweise:

  1. Prüfen Sie das Aussehen: Achten Sie auf Risse, Verformungen und beschädigte Befestigungen.
  2. Vergleichen Sie die vereinbarten Maße mit der Zeichnung oder den bestätigten Abmessungen. Verwenden Sie dafür ein geeignetes Messgerät.
  3. Halten Sie das Teil an seinen Einbauort, ohne es mit Kraft hineinzudrücken oder die Befestigungen passend zu verändern.
  4. Prüfen Sie die vorgesehene Montage oder Bewegung, ohne ungewöhnliche Belastung. Stoppen Sie, wenn das Teil klemmt oder sich verformt.

Bei Abweichungen fotografieren Sie den betroffenen Bereich und übermitteln Ihre Messwerte, bevor Sie das Teil schleifen, bohren oder nacharbeiten. Diese Kontrollen allein weisen weder die dauerhafte Belastbarkeit noch die Sicherheit nach.

6. Ihre Anfrage an POWER PRINT vorbereiten

Ihre Unterlagen können fünf Punkte umfassen:

  • Den betroffenen Gegenstand: Marke, Modell und Funktion des Teils.
  • Die vier Ansichten, ergänzt um vorhandene Bruchstücke oder eine unbeschädigte Vorlage.
  • Die wichtigen Maße, mit klarer Unterscheidung zwischen Messwerten und Schätzungen.
  • Den Einsatz und die Umstände des Bruchs.
  • Die gewünschte Stückzahl und den Wunschtermin, zusammen mit vorhandenen Dateien oder Zeichnungen.

Der Vorbereitungsbogen von POWER PRINT bündelt diese Informationen auf einer Seite. Sie können ihn am Bildschirm ausfüllen oder ausdrucken. Ergänzen Sie die bekannten Angaben und markieren Sie, was noch geprüft werden muss.

Vorbereitungsbogen von POWER PRINT herunterladen – ausfüllbares PDF, 1 Seite

Der Bogen ist optional. Sie können uns die im Artikel genannten Informationen auch direkt übermitteln.

Zum Übermitteln Ihrer Anhänge senden Sie den Bogen, Ihre Fotos und Dateien per E-Mail an contact@power-print.eu. Geben Sie dabei Ihren Namen und Ihr Projekt an. Falls Sie zusätzlich das Anfrageformular ausfüllen, verwenden Sie dieselben Angaben, damit wir beide Nachrichten zuordnen können.

Ohne nutzbare Datei beginnt das Projekt mit 3D-Prototypenbau und Konstruktion. Ist Ihr Modell bereits definiert, kann es für einen individuellen 3D-Druck geprüft werden. Auch mit unvollständigen Angaben lässt sich ein Gespräch beginnen; Machbarkeit oder Preis können dann jedoch nicht immer sofort bestätigt werden.

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Weiterführende Fachquelle: Der englischsprachige Hochschulleitfaden der TU Delft zur Reparatur durch 3D-Druck beschreibt die Schritte Analyse, Rekonstruktion, Fertigung und Prüfung.

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